Wie Parteien durch interne Mitgliederbefragungen attraktiver und vitaler werden.

Eine quasi-experimentelle Studie zur Wirkung innerparteilicher Demokratie

Alexander Wuttke, Andreas Jungherr und Harald Schoen

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Hintergrund

Seit der Wiedervereinigung haben die etablierten Parteien in Deutschland die Hälfte ihrer Mitglieder verloren.

Darauf reagieren die Parteien mit einer Ausweitung innerparteilicher Partizipationsrechte.

Die Hoffnung: Parteien werden attraktiver und neue Beteiligungsmöglichkeiten motivieren Bürger zum Beitritt.

Was wir wissen wollen Fragestellung

Gewinnen Parteien an Attraktivität, wenn sie die Parteibasis stärker an Entscheidungen teilhaben lassen?

Verändert sich die Haltung der Mitglieder gegenüber ihrer Partei nach der Teilnahme an einem Mitgliedervotum?

Verändert sich das Verhältnis zwischen Mitgliedschaft und Parteieliten?

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Wie wir es untersuchen Forschungsdesign

Ein unerwartetes Mitgliedervotum als Quasi-Experiment

Wir befragen Mitglieder vor und nach dem Mitgliedervotum…

…und analysieren für jedes einzelne Mitglied Einstellungsveränderungen.

Der untersuchte Fall Mitgliedervotum der CDU Berlin, Juni 2015

Gegenstand:
Haltung der Partei zur gleichgeschlechtlichen Ehe

Besonderheit:
  • Erstes Mitgliedervotum in der Geschichte der CDU Berlin.
  • Überraschende Reaktion der Parteiführung auf einen Antrag im Bundesrat.
  • Parteiführung bezog nicht einheitlich Position. Der Parteivorsitzende blieb neutral. Andere Parteispitzen haben für ein Contra- oder Pro-Votum geworben.

Mitglieder nehmen sich als wirksamer wahr Resultate

  • Nach dem Mitgliedervotum: Mitglieder beurteilen ihre Möglichkeiten in der Partei Einfluss zu nehmen deutlich positiver.
  • Stärkerer Anstieg unter Mitgliedern, die vor dem Votum wenig Möglichkeiten sahen, sich in der Partei Gehör zu verschaffen.
  • Selbstwirksamkeitswahrnehmung stieg unabhängig vom Abstimmungsverhalten eines Mitglieds im Mitgliedervotum.

Übereinstimmung in Sachfragen als Messlatte zur Bewertung von Parteieliten Resultate

  • Vor dem Mitgliedervotum: Die Bewertung einzelner Spitzenpolitiker ist unabhängig von der Haltung eines Mitglieds zur gleichgeschlechtlichen Ehe.
  • Nach dem Mitgliedervotum: Mitglieder legen die eigene Position zur gleichgeschlechtlichen Ehe als Messlatte zur Bewertung von Spitzenpolitiker an, wenn diese klare Position bezogen haben.
  • Mitglieder bewerten Parteieliten also stärker anhand der Übereinstimmung in politischen Sachfragen.

Wie innerparteiliche Demokratie wirkt Fazit

Die Konsequenzen eines Mitgliedervotums reichen über den Entscheid in der Sachfrage hinaus:

Ein Mitgliedervotum verändert, wie Mitglieder auf ihre Partei blicken.

Wer über Sachfragen abstimmen darf, fühlt sich als Parteimitglied ermächtigt.

Mitglieder lernen im Diskussionsprozess über das Verhalten der Parteispitzen und bewerten sie stärker auf Grund ihrer eigenen inhaltlichen Überzeugungen.

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Team

  • Alexander Wuttke

    Alexander Wuttke

       

    Universität Mannheim
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • Dr. Andreas Jungherr

    Dr. Andreas Jungherr

       

    Universität Konstanz
    Juniorprofessor
  • Prof. Dr. Harald Schoen

    Prof. Dr. Harald Schoen

     

    Universität Mannheim
    Lehrstuhlinhaber, Politische Psychologie